Der Astronom Friedrich Simon Archenhold wurde am 2. Oktober 1861 in Lichtenau geboren. Er legte Ostern 1882 an der Realschule 1. Ordnung zu Lippstadt (heute Ostendorf-Gymnasium) seine Maturitätsprüfung ab und studierte von 1882 bis 1887 in Berlin und Straßburg.
Sein ehemaliger Professor, Wilhelm Julius Foerster, unterstützte ihn bei seinen Forschungen. Am 27. Oktober 1891 entdeckte er nahe dem Stern ξ-Persei im Sternbild Perseus mit Hilfe der Fotografie einen ausgedehnten Nebel (den Perseus-Nebel) und veröffentlichte diese Entdeckung in den Astronomischen Nachrichten.
Schwierigkeiten aufgrund fehlender technischer Mittel bei dem Nachweis, dass es sich um einen eigenständigen Nebel handelt, führten wohl zu ersten Planungen Archenholds für ein neues großes Teleskop. Auf Grund seiner Planungen und im Zuge der Vorbereitungen für die Berliner Gewerbeausstellung 1896 entstand dann das – manchmal auch Himmelskanone genannte – Fernrohr mit 21 m Brennweite, bis heute das längste Linsenfernrohr der Erde.
Am 1. Mai 1896 eröffnete die Berliner Gewerbeausstellung, endgültig fertig gestellt unter der Leitung von Archenhold wurde das Fernrohr jedoch erst im September. Durch den großen Besucherandrang zum Fernrohr und das starke Interesse vieler Bevölkerungsschichten kam es zu dem Entschluss, das Fernrohr und das umgebende Gebäude im Treptower Park zu belassen. Dies war faktisch die Gründung der Volkssternwarte, die damals Treptow-Sternwarte genannt wurde und seit 1946 Archenhold-Sternwarte heißt.
1898 wurde als Rechtsträger der Verein Treptow-Sternwarte e. V. gegründet, der die Sternwarte führte und dessen Vorsitzender Archenhold war. Archenhold hielt einerseits viele Vorträge in der Sternwarte und außerhalb und war andererseits für den Betrieb und die Finanzierung verantwortlich. 1912 hatte er die Idee, Filme als Medium für die Wissensvermittlung in der Sternwarte einzusetzen.
Er führte mehrere Reisen zu Sonnenfinsternissen durch und betrieb Forschungen zu der Natur der Sonnenflecken. 1904 traf er dabei in England erstmals mit Andrew Carnegie zusammen, der später auch die Treptow-Sternwarte in Berlin besuchte. 1907 absolviert er eine längere Reise in die USA, wo er unter anderem mit Thomas Alva Edison, Simon Newcomb, Edward Charles Pickering und Williamina Fleming zusammentraf. Bei dieser Reise erhielt er auch die Ehrendoktorwürde der Western University of Pennsylvania. Archenhold war am Berliner Programm der Physik der Hochatmosphäre mit Otto Jesse und Wilhelm Foerster beteiligt. Er beobachtete auf der Sternwarte Leuchtende Nachtwolken, und arbeitete eng mit Jesse zusammen.
Archenhold konnte zahlreiche bekannte Wissenschaftler und Forscher zu Vorträgen in der Sternwarte gewinnen, einer der im nachhinein wohl wichtigsten Vorträge dürfte am 2. Juni 1915 der erste öffentliche Vortrag Albert Einsteins zur Relativitätstheorie gewesen sein. Archenhold war Kriegsgegner und sympathisierte mit dem 1914 gegründeten Bund Neues Vaterland. 1925 bei der Gründung der Panterra-Gesellschaft wurde Archenhold neben dem 1. Vorsitzenden Professor Kapp und dem 2. Vorsitzenden Rudolf Nebel Geschäftsführer.
Archenhold wurde Ehrenvorsitzender des am 17. Juli 1928 gegründeten Berliner Flugvereins, der das Flugwesen in jeder Richtung fördern wollte. 1931, zu seinem 70. Geburtstag, legte Archenhold das Amt des Direktors nieder. Nachfolger wurde sein Sohn Günter Archenhold (1904-1999). Am 6. Oktober 1931 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Lichtenau durch Ratsbeschluss verliehen.
Da die Archenholds Juden waren, hatten sie schwer unter der antisemitische Haltung im nationalsozialistischen Deutschland zu leiden. 1936 wurden sie aus der Sternwarte verwiesen. Der große Wissenschaftler, Menschenfreund und Weltbürger Friedrich Simon Archenhold zog sich völlig zurück und starb, verbittert und enttäuscht, am 14. Oktober 1939 in Berlin. Seine Söhne Günther und Horst flüchteten nach England. Die Tochter Hilde und seine Frau Alice kamen 1943 im Konzentrationslager Theresienstadt ums Leben.



